Wenn der Abfluss mal verstopft ist . . .
 
    
So klingt der Werbeslogan für ein bekanntes Chemieprodukt.

Sie wissen sicher, was Ihnen dieser Hersteller empfiehlt. Doch was Ihr Wohnungseigentum -Verwalter in einem solchen Fall empfiehlt, erfahren Sie hier. Und weil es im Wohnungseigentum manchmal auch an anderen Stellen klemmt, wollen wir versuchen auf die häufigsten Fragen zu antworten:

  

 
 
 
 
 
 
Abfluss verstopft - was nun?

Zunächst ist zu prüfen ob die Verstopfung innerhalb der Wohnung liegt oder ob auch andere Wohnungen betroffen sind.

Wenn die Verstopfung offensichtlich nur in Ihrer Wohnung auftritt, sind nur Sie allein zuständig. Sie können sich nach freiem Ermessen für Abflussfrei, Sauger, Spirale, Installateur oder die Luxusvariante einer Hochdruckspülung entscheiden. Sollte sich bei der Abflussreinigung herausstellen, dass die Ursache wider Erwarten doch im Hauptabflusssystem des Hauses liegt, informieren Sie Ihren Verwalter.
  
Wenn offensichtlich andere Wohnungen ebenfalls betroffen sind, liegt die Ursache sehr wahrscheinlich im Gemeinschaftseigentum. Informieren Sie Ihren Verwalter.
Er wird sofort die notwendigen Maßnahmen einleiten. Die Kosten übernimmt die Eigentümergemeinschaft.
  
Unerklärlicherweise treten Abflussverstopfungen meist zu den Feiertagen auf. Wenn dann der Verwalter ausnahmsweise einmal nicht erreichbar ist, rufen Sie eine Fachfirma Ihres Vertrauens. Dazu sind Sie in einem solchen Notfall sogar verpflichtet.
  
Balkon undicht - wer bezahlt?

Auch wenn der Balkon in Ihrer Teilungserklärung dem Sondereigentum zugeordnet ist, bedeutet dies lediglich, dass damit der Luftraum des Balkons und der Bodenbelag gemeint sind.

Alles was an einem Balkon von außen sichtbar ist, wie z.B. das Balkongeländer, die Regenrinne oder der Wandanstrich im Bereich des Balkons ist zwingend Gemeinschaftseigentum. Das gilt auch für die Balkonplatte und die zwischen Balkonbelag und Balkonplatte eingebaute Dichtung. Die Kosten für die Abdichtung übernimmt die Eigentümergemeinschaft.
  
Sollte der Bodenbelag gleichzeitig auch die Abdichtung sein, wie z. B. bei einer Beschichtung, dann ist auch dieser Bodenbelag in der Verantwortung der Eigentümergemeinschaft.
 
Dach undicht - bezahlt das die Versicherung?

Schön wär's! Leider ist das Schadensrisiko für die Versicherung viel zu hoch. Darum sind auch nur Schäden wegen "bestimmungswidrig austretendem Leitungswasser" versichert.
  
Regenwasser gehört nicht dazu. Reparaturkosten übernimmt die Eigentümergemeinschaft.
 
Dach undicht - wer bezahlt mir die Renovierung der Nässeschäden in meiner Wohnung?

Sie selbst! Die Eigentümergemeinschaft haftet im Normalfall nicht für die Folgeschäden in Ihrer Wohnung! Das ist das Risiko des betroffenen Wohnungseigentümers.
  
Anders sieht die Sache aus, wenn die Undichtigkeit des Daches der Eigentümergemeinschaft bekannt war und sie trotzdem die erforderliche Reparatur versäumt hat.
  
In diesem Fall hat die Gemeinschaft den Schaden in Ihrer Wohnung verschuldet und haftet auch für die Folgeschäden in ihrer Wohnung.
 
Notfall - und der Verwalter ist nicht erreichbar. Was soll ich tun?

Im Notfall ist nach dem Wohnungseigentumsgesetz jeder Eigentümer verpflichtet, zur Schadensminderung im Gemeinschaftseigentum beizutragen und einen Handwerker seiner Wahl einzuschalten.
  
Die Gemeinschaft muss die Kosten übernehmen.
 
Wohnung kalt - was nun?

Zunächst ist zu prüfen ob nur Ihre Wohnung oder ob auch andere Wohnungen betroffen sind.
  
Wenn nur Ihre Wohnung betroffen ist, sind nur Sie allein zuständig. Sie können sich nach freiem Ermessen für einen Handwerker Ihrer Wahl entscheiden. Sollte sich bei der Reparatur herausstellen, dass die Ursache wider Erwarten doch im gemeinschaftlichen Heizungssystem liegt, informieren Sie Ihren Verwalter.
  
Wenn offensichtlich andere Wohnungen ebenfalls betroffen sind, liegt die Ursache sehr wahrscheinlich im gemeinschaftlichen Heizungssystem. Informieren Sie Ihren Verwalter. Er wird sofort die notwendigen Maßnahmen einleiten. Die Kosten übernimmt die Eigentümergemeinschaft.
 
Fensterscheibe blind - wer bezahlt?

Wer für die Fensterscheibe zuständig ist, muss im Einzelfall in der Gemeinschaftsordnung geprüft werden. Wenn hier über die Zuordnung zum Sondereigentum oder unter dem Begriff Instandhaltung nichts geschrieben steht, dann ist die Eigentümergemeinschaft zuständig.
  
In den meisten Gemeinschaftsordnungen steht jedoch, dass der jeweilige Sonder eigentümer Glasschäden an den Fenstern selber beseitigen muss und damit auch die Kosten selber trägt.
 
Garagentor defekt - wer bezahlt? Ich habe nämlich gar keine Garage!

Alles was von außen sichtbar ist und den Charakter der Wohnanlage ausmacht ist zwingend Gemeinschaftseigentum. Dazu gehören auch Garagentore. Wenn die Gemeinschaftsordnung nichts anderes aussagt, sind die Garagentore von der Gemeinschaft instand zu halten.
  
Das bedeutet auch, dass sich jeder Miteigentümer, ganz gleich ob er eine Garage besitzt oder nicht, sich anteilig an den Kosten zu beteiligen hat.
 
Falschparker auf meinem Stellplatz - wer kümmert sich darum?

Für Stellplätze im Sondernutzungsrecht ist allein der jeweilige sondernutzungsberechtigte Eigentümer zuständig. Er muss sich selber darum kümmern, wenn jemand seinen Stellplatz widerrechtlich beparkt.
 
Müllgebühren ungerecht verteilt!
- muss nicht jeder nur das bezahlen, was er verbraucht?

In den meisten Städten und Gemeinden werden die Müllgebühren neuerdings gefäßbezogen erhoben. Dabei werden der Eigentümergemeinschaft lediglich die Anzahl der Gefäße in Rechnung gestellt. Wieviele Personen die Müllgefäße nutzen, spielt bei der Gebührenerhebung keine Rolle.
  
Darum müssen die Müllgebühren hier nach der Regelung der Gemeinschaftsordnung, d. h. im Normalfall nach Miteigentumsanteilen auf alle Miteigentümer verteilt werden. Dabei spielt es keine Rolle ob und wieviel Müll ein Eigentümer produziert.
  
Wenn die Müllgebühren nach der Anzahl der gemeldeten Personen von der Gemeinde erhoben werden, so sollte man annehmen, der Verwalter könne auch nach den gemeldeten Personen verteilen. Leider ist das nicht so. Das Meldedatenweitergabegesetz verbietet es den Gemeinden den Verwaltern die gemeldeten Personen zu nennen. Darum müssen auch in diesem Fall die Müllgebühren nach Miteigentumsanteilen verteilt werden.
  
Es wäre noch denkbar, die Müllgebühren nach der Anzahl der Hausbewohner zu verteilen. Doch wer möchte am Jahresende verbindlich feststellen, in welcher Wohnung wer wie lange gewohnt hat? Dazu kommt, dass evtl. einzelne Personen von der Müllgebührenpflicht befreit oder lediglich für längere Zeit zu Besuch sind. Wenn sich einzelne Mitbewohner bespitzelt oder sogar ungerecht behandelt fühlen, ist der Ärger der daraus erwächst sicher größer, als der scheinbare Gerechtigkeitsvorteil von ein paar Euro im Jahr. Und wenn eine solche Kostenverteilung angefochten wird, betragen die Prozesskosten ein Vielfaches der Müllgebühren.
 
Putzordnung - mein Nachbar hält sich nicht daran! Was nun?

Sprechen Sie ihn freundlich an. Er hat möglicherweise auch seine Gründe. Nicht ist wirkungsvoller als eine funktionierende Sozialkontrolle.
  
Wenn das nichts hilft, können Sie sich auch schriftlich mit der Unterschrift eines Zeugen beim Verwalter beschweren. Der Verwalter wird dann Ihre schriftliche Beschwerde an Ihren Nachbarn bzw. den zuständigen Vermieter weiterleiten.
  
Die Möglichkeiten des Verwalters sind damit erschöpft. Wenn das auch nichts hilft, muss die Eigentümerversammlung dann über weitere Maßnahmen entscheiden.
 
Lärm aus der Nachbarwohnung - muss man sich das gefallen lassen?

Selbstverständlich nicht! - Sprechen Sie den Verursacher freundlich an. Nicht ist wirkungsvoller als eine funktionierende Sozialkontrolle.
  
Wenn das nichts hilft, können Sie sich auch schriftlich mit der Unterschrift eines Zeugen beim Verwalter beschweren. Der Verwalter wird dann Ihre schriftliche Beschwerde an Ihren Nachbarn bzw. den zuständigen Vermieter weiterleiten.
  
Die Möglichkeiten des Verwalters sind damit erschöpft. Wenn das auch nichts hilft, muss die Eigentümerversammlung dann über weitere Maßnahmen entscheiden. Sie können aber auch in akuten Störungsfall die Polizei verständigen und Anzeige erstatten.
  
Grundsätzlich haben Sie aber auch einen Direktanspruch gegenüber dem Störer. Um diesen Anspruch geltend zu machen, wenden Sie sich am besten an einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens.
 
Satellitenschüsseln - erlaubt?

Die Montage von Satellitenschüsseln ist eine sog. "Bauliche Veränderung", weil damit das Erscheinungsbild der Wohnanlage verändert wird. Darum darf die Montage in der Regel nur bei Zustimmung aller Miteigentümer durchgeführt werden.
  
Beantragen Sie rechtzeitig eine entsprechende Beschlussfassung. Das sog. Recht auf kulturelle Versorgung, mit dem oft illegale Satellitenschüsseln begründet werden, gilt nur im Mietrecht und hat mit dem für Sie gültigen Wohnungseigentumsrecht nichts zu tun.
 
Hausanstrich ist dringend erforderlich - aber die anderen wollen nicht!
Was tun?

Die Meinungen über die Qualität von Instandhaltungen sind bei den Menschen naturgemäß verschieden. Darum hat das Wohnungs eigentumsgesetz hier das Mehrheitsprinzip für die Beschlussfassung vorgesehen.
  
Werben Sie bei den übrigen Miteigentümern für Ihr Vorhaben. Lassen Sie Ihren Antrag rechtzeitig in die Einladung zur Tagesordnung aufnehmen. Die Mehrheit wird dann über Ihren Antrag entscheiden.
  
Wenn Sie der Meinung sind, dass auch gegen den Willen der Mehrheit ein Anstrich dringend erforderlich ist, bleibt Ihnen nur der Gang zum Wohnungseigentumsgericht. In diesem Fall müssen Sie jedoch den Richter von Ihrem Vorhaben überzeugen.
 
Gemeinsame Rücklage -
kann nicht jeder seinen Anteil besser allein anlegen?

Theoretisch ja! - Erfahrungsgemäß macht das aber nicht jeder.
Und wenn es dann soweit ist, hat derjenige Eigentümer, der dafür seinerzeit so kräftig geworben hat, längst seine Wohnung verkauft.
Und der Erwerber fällt aus allen Wolken, wenn er kurz nach dem Kauf der Wohnung auch noch eine vier- oder fünfstellige Sonderzahlung leisten muss.
  
Beten Sie dass er's kann, sonst zahlen Sie seinen Anteil mit.
Darum ist auch nach dem Wohnungseigentumsgesetz die Gemeinschaft verpflichtet eine "angemessene" Instandhaltungsrücklage zu bilden.
 
Instandhaltungskosten zu hoch - können wir nicht einiges selber machen?

Natürlich können durch Eigenleistung Kosten gespart werden. Es ist nur wichtig, sich vorher zu verständigen, wer in welchem Umfang und mit welcher Qualifikation welche Leistungen erbringt.
  
Es gibt Arbeiten, die sollte man besser einem Fachmann überlassen.
 
Zahlungsausfall bei einem Miteigentümer - muss ich dafür mitbezahlen?

Ja!
  
Wegen der gesamtschuldnerischen Haftung der Eigentümergemeinschaft. Darum ist es wichtig, dass der Verwalter die Zahlungsverpflichtungen aller Eigentümer zeitnah überwacht und sofort eingreift bevor ein Schaden entsteht bzw. der Zahlungsausfall größer wird.
 
Hausgeldrate steigt trotz Rückzahlung aus der Abrechnung - warum?

Der Wirtschaftsplan und die daraus errechneten Hausgeldraten beziehen sich ausschließlich auf das aktuelle bzw. Folgejahr.
  
Wenn hier einzelne Kostenpositionen gegenüber dem abgerechneten Wirtschaftsjahr deutlich höher angesetzt sind, steigen auch die Hausgeldraten.
 
Selbstverwaltung der Eigentümer - wozu braucht man dann überhaupt einen Verwalter?

Die vom Wohnungseigentumsgesetz vorgesehene Selbstverwaltung der Eigentümer bedeutet, dass die Miteigentümer im Rahmen einer Eigentümerversammlung selbst entscheiden dürfen, wie sie ihre täglichen Belange regeln möchten.
  
Der gesetzlich erforderliche Verwalter hat die Aufgabe, diese Eigentümerversammlung einmal im Jahr einzuberufen und die Eigentümer über ihre Ziele entscheiden zu lassen.
  
Während der Versammlung übernimmt der Verwalter die Aufgabe eines Moderators. Damit die Rechte aller Eigentümer gleichermaßen berücksichtigt werden, muss der Verwalter auf die Einhaltung der Formalien achten.
 
Formalien - was soll das? - Wir sind uns doch einig!

Die Einigkeit endet erfahrungsgemäß da, wo der Geldbeutel anfängt. Spätestens wenn ein Eigentümer das Gefühl hat, ungerecht behandelt zu werden, regt sich Widerstand. Bei der Suche nach Möglichkeiten das scheinbar Unabwendbare doch noch abzuwenden, entwickelt der Mensch eine gehörige Portion Phantasie.
  
Und spätestens dann ist es für die Eigentümergemeinschaft vorteilhaft, wenn bei der Beschlussfassung alle formellen Anforderungen beachtet wurden und hier kein Schlupfloch für kreative Juristen offen bleibt.
 
Eigentümerversammlung wozu soll ich dahin? - Die anderen machen ja doch was sie wollen!

Jeder Mensch strebt danach, seine persönlichen Bedürfnisse weitest möglich erfüllt zu bekommen. Dieser Antrieb ist überlebensnotwendig.
  
In einer Eigentümergemeinschaft sind die Mitglieder in wesentlichen Lebensbereichen aufeinander angewiesen. Dies führt hin und wieder zu Enttäuschungen. Darum ist es wichtig, sich dem Nachbarn mitzuteilen, jedoch dabei auch seinen Standpunkt als gleichwertig anzuerkennen.
  
Die beste Gelegenheit dazu ist die Eigentümerversammlung. Die persönlichen Ansichten werden ausgetauscht und es wird nach tragfähigen Lösungen gesucht. Gerade darum ist es wichtig, dass sich jeder an der Meinungsfindung beteiligt und so die Entscheidung mit beeinflusst. Dabei entscheidet letztendlich die Mehrheit.
  
Das ist das Grundprinzip der Selbstverwaltung der Eigentümer. Es ist wenig sinnvoll, wenn die vernünftige Mehrheit nicht mehr an Versammlungen teilnimmt und den extremen Kräften das Feld überlässt.
 
Stimmrecht - wird meine Stimme richtig bewertet?

Das zu überwachen ist z. B. Aufgabe des Verwalters. Wenn in der Gemeinschaftsordnung nicht etwas anderes geschrieben ist, gilt das gesetzlich Stimmrecht nach Anzahl der Köpfe (sog. Kopfprinzip).
Das bedeutet, dass jeder Eigentümer - auch Ehepaare - nur eine Stimme (Kopf) haben, auch wenn sie gleichzeitig Eigentümer mehrerer Wohnungen in der Gemeinschaft sind.
  
In der Gemeinschaftsordnung kann aber auch das Wohnungsprinzip vereinbart sein. In diesem Fall verleiht jede Wohnung dem Eigentümer eine Stimme. Wenn er mehrere Wohnungen besitzt, hat er so viele Stimmen, wie er Wohnungen besitzt.
  
Möglich ist aber auch das Wertprinzip. Dabei richtet sich das Stimmgewicht nach der Höhe des Miteigentumsanteils. Weil jeder Eigentümer einen anderen Stimmwertanteil hat, müssen bei der Abstimmung exakt die jeweiligen Stimmanteile für die Ja-, Nein- und Enthaltungsstimmen erfasst werden. Das erfordert vom Verwalter einen erheblichen Rechenaufwand und kann ihn schon mal zum Schwitzen bringen.
 
Mehrheitsbeschluss - muss man sich denn alles gefallen lassen?

Um mit Radio Ehriwan zu antworten:
"Im Prinzip - ja! - Es kommt darauf an, ob ... "

  
Für die laufende Verwaltung dürfen die Eigentümer in der Regel mehrheitlich entscheiden. Für gravierende Entscheidungen gilt jedoch oft eine qualifizierte Mehrheit. Das bedeutet, das z. B. eine dreiviertel Mehrheit erreicht werden muss, um einen Beschluss rechtswirksam zu fassen. Es gibt auch Angelegenheiten, die nur mit der Zustimmung aller Miteigentümer beschlossen werden können. Es gehört zu den Aufgaben des Verwalter, die Eigentümer im Bedarfsfall aufzuklären und die Eigentümer dazu anzuhalten, dass die Beschlüsse ordnungsgemäß gefasst werden.
  
Da wir uns in einem Rechtsstaat befinden, gibt es aber nichts, was man letztendlich nicht gerichtlich klären könnte. Doch wie sagen die Juristen: "Auf hoher See und vor Gericht liegt das Schicksal in Gottes Hand."
 
Zitterbeschlüsse - gibt es die nach dem neuen BGH-Urteil überhaupt noch?

Auch nach dem Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs vom 20.09.2000 gibt es noch "Zitterbeschlüsse". Ein Zitterbeschluss heißt: Einen formell falschen Beschluss herbeiführen und dann einen Monat zittern ob angefochten wird. Wenn nicht, wird er nach einem Monat rechtsbeständig.
  
Die Möglichkeiten auch zukünftig sich mit einem Zitterbeschluss zu helfen sind durch den BGH erheblich eingeschränkt worden. Auch ein Abrechnungsbeschluss mit einer von der Gemeinschaftsordnung abweichenden Kostenverteilung ist nach wie vor ein Zitterbeschluss und damit lediglich nur innerhalb eines Monats anfechtbar.
 
Recht haben, ja - aber wie bekommen?

Die Frage, ob es überhaupt Gerechtigkeit gibt, beschäftigt die Menschheit von je her. Ganze Heerscharen daran Interessierter - vornehmlich die Juristen - haben sich der Aufgabe verschrieben danach zu suchen. Offensichtlich mit wenig Erfolg. Denn ein uns bekannter Mitarbeiter eines Landgerichts meint dazu: "Recht können Sie hier nicht bekommen, aber ein Urteil!"
  
Da wir uns in einem Rechtsstaat befinden, gibt es aber nichts, was man letztendlich nicht gerichtlich klären könnte. Doch wie sagen die Juristen: "Auf hoher See und vor Gericht liegt das Schicksal in Gottes Hand."
  
Für diejenigen, die jetzt noch nicht abgeschreckt sind, hier einige Tipps:
Vielleicht ist es Ihnen schon einmal aufgefallen, dass der Verwalter nach der Beschlussfassung das Ergebnis mit den Worten: "Damit ist der Antrag mehrheitlich angenommen!" Ab dieser Verkündung beginnt eine einmonatige Anfechtungsfrist beim Amtsgericht. Wenn jemand der Auffassung ist, dass ein Beschluss nicht ordnungsgemäß gefasst wurde, muss er innerhalb dieser Frist einen Beschlussanfechtungsantrag beim zuständigen Wohnungseigentumsgericht einreichen.
  
Nach Ablauf dieser Frist ist eine Anfechtung nicht mehr möglich und ein evtl. fehlerhaft gefasster Beschluss ist dann rechtsbeständig geworden.
  
Eine einzige Ausnahme gilt für Beschlüsse, die auf Grund fehlender Beschlusskompetenz gefasst wurden oder die gegen die guten Sitten verstoßen. Derartige Beschlüsse sind von vorn herein nichtig. Für sie gilt keine Frist, denn sie werden niemals rechtsbeständig.
 
Vermieten - aber wie?

Jeder Wohnungseigentümer hat mit seiner Wohnung so zu umzugehen, dass kein anderer Miteigentümer mehr als nach den Umständen unvermeidbar behindert oder belästigt wird.
Das kommt Ihnen sicherlich irgendwie bekannt vor ...
  
Jeder Eigentümer darf seine Wohnung vermieten. Es kann jedoch in der Gemeinschaftsordnung festgelegt sein, dass der Verwalter dazu seine Zustimmung geben muss.
Keine Angst! - Er darf sie nur aus wichtigem Grund verweigern.
 
Markisen - darf ich einfach montieren?

Die Montage von Markisen ist eine sog. "Bauliche Veränderung", weil damit das Erscheinungsbild der Wohnanlage verändert wird. Darum darf die Montage in der Regel nur bei Zustimmung aller Miteigentümer durchgeführt werden. Beantragen Sie rechtzeitig eine entsprechende Beschlussfassung.
  
Wenn Ihnen das zu umständlich ist, haben wir noch einen Tipp:
Fragen Sie einfach Ihre Miteigentümer. Aber bitte alle! Bei Markisen ist die Toleranz der Eigentümer erfahrungsgemäß recht groß. Meist hat niemand etwas dagegen, wenn bereits Markisen montiert sind und Sie sich gestalterisch daran anpassen.
  
Montieren Sie auf keinen Fall ohne Zustimmung. Die meisten Konflikte entstehen aus der Tatsache, dass sich Menschen in ihrem Mitspracherecht übergangen fühlen und dann aus der Kränkung heraus ihr Recht durchsetzen. Hätte man sie vorher gefragt, hätten sie wahrscheinlich zugestimmt.
 
Waschraum putzen warum? - Ich nutze den Raum doch gar nicht!

Wenn ein rechtsbeständiger Beschluss gefasst ist, wonach sich jeder Eigentümer nach einem Plan an der Pflege der Allgemeinräume beteiligen muss, spielt es keine Rolle, ob er die betreffenden Räume überhaupt nutzt. Bei der Beschlussfassung kommt es vielmehr darauf an, dass die Eigentümer bzw. deren Mieter die Möglichkeit zur Nutzung der betreffenden Räume haben.
 
Tätige Mithilfe bei Treppenhausreinigung und Gartenpflege - muss ich da mitmachen?

Eigentümer zur tätigen Mithilfe bei bestimmten Aufgabenstellungen zu verpflichten, ist im Wohnungseigentumsgesetz nicht ausdrücklich geregelt. Sehr häufig werden die Treppenhausreinigung oder manchmal sogar die Gartenpflege per Beschluss auf die Miteigentümer übertragen.
  
Ob ein solcher Beschluss zulässig ist, wird von den Gerichten unterschiedlich bewertet. Entscheidend für die Zulässigkeit ist vor allen Dingen, das die Maßnahme billigem Ermessen entspricht. In jedem Fall wird ein solcher Beschluss rechtswirksam, wenn er nicht innerhalb eines Monats angefochten bzw. daraufhin vom Gericht aufgehoben wurde.
  
Ein rechtsbeständiger Beschluss bindet alle Eigentümer gleichermaßen, auch diejenigen, die bei der Abstimmung dagegen waren.
 
Heizkosten zu hoch - ich spare doch immer! Was kann ich tun?

Es gibt keine objektive Realität zwischen Menschen, schrieb Erich Fromm, ein bekannter Psychoanalytiker. Das ist der Grund für das verbreitete ungute Gefühl, bei der Heizkostenabrechnung viel zu hoch berechnet worden zu sein.
  
Es nutzt nichts, sich bei der Gemeinschaft mit dem Hinweis zu beschweren, man habe doch immer gespart und viel weniger verbraucht und die Kosten seien demnach völlig falsch berechnet. Auch das Argument, der Nachbar habe ja bei gleich großer Wohnung viel weniger Heizkosten zieht nicht. Die Menschen heizen eben völlig verschieden.
  
Dies Problem hat der Gesetzgeber gesehen und darum die Pflicht zur Verbrauchserfassung bei den Heizkosten eingeführt. Darum achten Sie darauf, dass der Ableser Ihren Zählerstand bzw. die Striche Ihrer Heizkostenverteiler korrekt notiert. Normalerweise müssen Sie ihm dies quittieren und er gibt Ihnen davon eine Kopie. Wenn Sie Ihre Abrechnung bekommen, prüfen Sie ob die Anzahl der Ihnen berechneten Einheiten mit Ihrer Ablesequittung übereinstimmen.
  
Wenn ja, ist eine Reklamation so gut wie aussichtslos. Wenn Sie jedoch eine Differenz feststellen, verständigen Sie Ihren Verwalter. Er wird der Sache nachgehen und ggf. die Abrechnung korrigieren solange sie noch nicht beschlossen ist.