Wohnungseigentum für technisch Interessierte
 
 
Lebensdauer von Bauteilen

  
Auch wenn Ihnen der Verkäufer etwas anderes erzählt: Der Verschleiß beginnt mit der Fertigstellung! Sei das Haus auch noch so hochwertig gebaut.

Um das auszugleichen ist eine Eigentümergemeinschaft auch durch das Wohnungseigentumsgesetz (WEG) verpflichtet für eine angemessene Instand haltungsrückstellung zu sorgen.
Mehr dazu können Sie unter dem Thema „Wohnungseigentum für Wissbegierige" > "Instandhaltungsrücklage“ nachlesen.
  
In diesem Artikel geht es um die Lebensdauer der einzelnen Bauteile. Natürlich beeinflusst die Materialqualität und die Sorgfalt der Verarbeitung auch deren Lebensdauer.
Hier zwei Beispiele:
  
Vielleicht kennen einige von Ihnen das sogenannte „Knickei von Halstenbek“ (www.knickei.de). Unglückseligerweise stürzte dort das Hallendach bereits vor der Fertigstellung gleich zweimal ein. Da ist man als Miteigentümer doch lieber an der Cheops Pyramide von Gizeh beteiligt. Deren Alter wird auf ca. 4550 Jahre geschätzt. Na gut, die Instandhaltung - insbesondere der Außen- und Innenputz - wurde hier in den letzen 4.500 Jahren etwas vernachlässigt.
   
   
Doch nichts hält ewig. Das sieht man auch daran, dass seitens der Banken und des Finanzamtes die rechnerische Lebenszeit eines Gebäudes zwischen 80 und 100 Jahren angesetzt wird. Das ist die Grundlage für die Ermittlung der Finanzierung und der steuerlichen Abschreibung.

Im Laufe der Gesamtlebenszeit ist das Gebäude den verschiedensten Einflüssen ausgesetzt. Wind und Wetter, Schnee und Eis nagen an den Fassadenbauteilen. Insbesondere der in den letzten Jahrzehnten immer „saurer“ werdende Regen setzt den oft ungeschützten Betonbauteilen stark zu. Bodenfeuchtigkeit und Sickerwasser drücken unter der Erdoberfläche gegen die Kellerwände.

Auch die Bewohner wirken auf das Gebäude ein. Fenster und Türen werden geöffnet und geschlossen. Bodenbeläge werden abgenutzt und Wände gestreift und bei Transporten oft beschädigt. Das lässt sich nicht vermeiden. Ordentliche Menschen nehmen sich in Acht. Es soll aber auch Zeitgenossen geben, die schon mal mit Fußtritten bzw. Graffiti Türen und Wände traktieren.

Umsichtige Planer können für eine Vielzahl der Einwirkungen entsprechende Vorkehrungen treffen. Sei es durch die Wahl hochwertiger Materialien oder durch intelligente fachlich korrekte Konstruktionen. Insoweit kann sich für die nachstehend aufgeführten Bauteile im Einzelfall auch schon mal eine abweichende Lebensdauer ergeben.
   
   
   
Die nachfolgende Liste gibt eine grobe Vorstellung über die durchschnittliche Lebensdauer einzelner Bauteile. Die Reparaturhäufigkeit an den Bauteilen ist in der Aufstellung nicht berücksichtigt.

Bereits 2 - 5 Jahre nach Bezug oft instandhaltungsbedürftig:
> Verbundpflaster im Bereich der wiederverfüllten Baugrube
> Dauerelastische Fugen an Bade- und Duschwannen - sogen. „Wartungsfugen“

Alle 5 - 15 Jahre erneuerungsbedürftig:
> Flachdachabdichtungen
> Fassadenanstriche und Betonschutz
> Außenfenster und -Türanstriche
> Textilbodenbeläge
> Innenanstriche und Tapeten
> Elektro-Warmwasserbereiter
> Elektromotorische Lüftungen

Alle 15 - 30 Jahre erneuerungsbedürftig:
> Dauerelastische Fugen an Außenbauteilen
> Fassadenplattenbekleidungen
> Isolierverglasungen
> Balkonabdichtungen
> Wand- und Dachanschlüsse aus Zinkblech
> Dachrinnen und Fallrohre aus Zinkblech
> Garagentore
> Holzbalkone aus Weichholz
> Heizkessel und -thermen
> Heizöltank
> Elektronische Regeleinrichtungen
> Heizkörper aus Stahl
> Fußbodenbeläge aus Kunststoff

Alle 30 - 50 Jahre erneuerungsbedürftig:
> Schornsteinköpfe über Dach
> Dacheindeckungen und Dachanschlüsse
> Außenwandputz und -bekleidungen
> Fenster und Außentüren
> Heizungsinstallation
> Elektroinstallation
> Teile der Abwasserleitungen im Boden
> Fliesen und Natursteinbodenbeläge innen
> Teile des Wand- und Deckenputzes innen
> Sanitärinstallation für Küchen und Bäder
> Ausstattung von Bädern und Küchen

Hält in der Regel ein Gebäudeleben lang:
> Betonfundament
> Außenwände
> Dachstuhl
> Innenwände
> Treppen
> Natursteinbeläge
   
   
   
Bei dieser Aufstellung sind Erneuerungsmaßnahmen, die dem technischen Fortschritt dienen, noch nicht berücksichtigt. Man denke hier nur an Satelliten- und Kabelfernsehen, weiterentwickelte Anforderungen an die Elektroinstallation und besonders an den Klima- und Wärmeschutz.
 
   
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