Wohnungseigentum für technisch Interessierte
 
 
Antworten zum Energieausweis
  

- Was steckt dahinter?
- Was ist ein Energieausweis?
- Brauche ich einen Energieausweis?
- Ab wann brauche ich den Energieausweis?
- Was ist, wenn mir schlechte Energiewerte bescheinigt werden?
- Was kostet ein Energieausweis?
- Wie lange gilt ein Energieausweis?

 
 
 
Was steckt dahinter?

Anlässlich der Welt-Klimakonferenz im japanischen Kyoto wurde 1997 von den beteiligten Nationen ein bis 2012 gültiges Abkommen für den Klimaschutz geschlossen. Ziel dieses sog. „Kyoto-Protokolls“ ist die Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen, welche als Auslöser der globalen Erwärmung angesehen werden. Leider haben die USA und Australien das Abkommen zwar unterschrieben aber nicht ratifiziert. Von einigen der übrigen Staaten gibt es sogar Hinweise, dass sie statt den Ausstoß der Treibhausgase zu senken, sogar mehr in die Atmosphäre ausgestoßen haben. Wie dem auch sei: Die EU hält sich daran. Darum ist auch Deutschland gehalten, die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Ein Baustein davon ist die sog. Energieeinsparverordnung (EnEV) aus dem Jahr 2001. Und ein Teil dieser Energieeinsparverordnung befasst sich mit dem sog. Gebäude-Energieausweis, umgangssprachlich mit Energieausweis bezeichnet. Man erhofft sich davon, dass die Bürger über den Energieausweis ein Bewusstsein für den sparsamen Umgang, insbesondere mit Heizenergie, entwickeln und vor allen Dingen ihre Wohnungen energetisch modernisieren.
   

 
Was ist ein Energieausweis?
   
Ein Energieausweis gibt den Heizenergieverbrauch eines Gebäudes pro Quadratmeter Nutz- bzw. Wohnfläche im Jahr an. Das ist in etwas vergleichbar mit den bekannten Energieeffizienzklassen bei großen Haushaltsgeräten oder den von den Fahrzeugherstellern angegebenen Benzinverbrauch von Kraftfahrzeugen.
Den Energieausweis wird es in zwei Varianten geben. Zum einen bezogen auf den tatsächlichen (verbrauchsbezogenen) Energieverbrauch, zum anderen bezogen auf den theoretischen (bedarfsbezogenen) Energieverbrauch.
Der verbrauchsbezogene Energieausweis kann einfach aus den bekannten Verbrauchsdaten zusammen mit der Heizkostenabrechnung erstellt werden. Das ist sehr preisgünstig. Beim bedarfsbezogenen Energieausweis ist die Angelegenheit weit aufwendiger und damit teuerer. Hier ist die Auswertung der hoffentlich vorhandenen Konstruktionszeichnungen und die Begutachtung des Gebäudes vor Ort durch einen zugelassenen Energieberater erforderlich.

Dabei gibt es folgende Varianten:

  • Grundsätzlich gilt der bedarfsbezogene Energieausweis in allen Fällen.
  • Für Wohngebäude mit bis zu vier Wohnungen, für die ein Bauantrag vor dem 01.11.1977 gestellt wurde, wird nur der bedarfsbezogene Variante zugelassen. Die verbrauchsbezogene Variante hätte den Nachteil, dass bereits der Leerstand einer bzw. ungewöhnliche Heizgewohnheiten in einer Wohnung erhebliche verfälschende Auswirkungen auf den Energieausweis haben würde.
    Falls beim Bau oder durch spätere Modernisierung mindestens das Wärmeschutzniveau der 1. Wärmeschutzverordnung von 1977 erreicht wurde, gilt auch hier ausnahmsweise die verbrauchsbezogene Variante.
  • Für Wohngebäude mit mehr als vier Wohnungen unabhängig vom Baujahr und Wohngebäude mit bis zu vier Wohnungen reicht ebenfalls ein verbrauchsbezogener Energieausweis.
  • Für Sparfüchse gilt noch ein kleiner Trick: Bis zum 01.10.2008 besteht völlige Wahlfreiheit zwischen beiden Varianten. In diesem kleinen Zeitfenster darf dann auch für Gebäude mit weniger als vier Wohnungen der kostengünstige verbrauchsbezogene Energieausweis erstellt werden.

Unabhängig davon sollte man aber bedenken, dass nur der aufwendigere bedarfsbezogene Energieausweis Informationen darüber gibt, an welchen Bauteilen energetische Verbesserungen sinnvoll sind. Gleichzeitig ist der bedarfsbezogene Energieausweis Voraussetzung, um künftig Mittel aus staatlichen Förderprogrammen zu bekommen.
   

 
Brauche ich einen Energieausweis?

Ein Energieausweis muss ab Inkrafttreten der Verordnung jedem Kauf- oder Mietinteressenten für eine Wohnung oder ein Haus vom Eigentümer bzw. Vermieter vorgelegt werden. Gilt also nur bei Verkauf oder Neuvermietung. Mieter in bestehenden Mietverhältnissen haben keinen Anspruch auf Vorlage des Energieausweises.
 

 
Ab wann brauche ich einen Energieausweis?
   

Der Bundesrat hat am 8.6.2007 beschlossen: Für Wohngebäude bis Baujahr 1965 werden Energieausweise ab dem 01.07.2008 verpflichtend, für alle anderen Wohngebäude ab dem 01.01.2009. Für Nichtwohngebäude beginnt die Verpflichtung ab dem 01.07.2009.
 
 
Was ist, wenn mir schlechte Energiewerte bescheinigt werden?
  
Zunächst passiert einmal überhaupt nichts! Der Energieausweis hat lediglich informativen Charakter. Kein Mieter kann daraus eine Mietminderung konstruieren. Auch dann nicht, wenn der Energieausweis einen günstigeren Wert ausweist, als es der Mieter durch sein Heizungsverhalten erreicht. Der ausgewiesene Wert im Energieausweis ist keine mietrechtlich zugesicherte Eigenschaft. Kein Gebäudeeigentümer kann bei unzureichenden Kennwerten zur Gebäudemodernisierung gezwungen werden. Noch nicht! – Aber bei manchen Modernisierungen wird er bereits seit Inkrafttreten der EnEV im Jahre 2001 zur Einhaltung besserer Kennwerte gezwungen..
 
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Was kostet ein Energiepass?
  • Das hängt davon ab, welcher Aufwand mit der Erstellung verbunden ist.
    Verbrauchsbezogene Energiepässe im Rahmen der jährlichen Heizkostenabrechnung werden bis ca. 50,00 € kosten.
  • Für bedarfsbezogene Energiepässe mit bautechnischer Aufnahme des Gebäudes ist derzeit zwischen 1.000,00 und 2.000,00 € pro Gebäude zu rechnen.
        
  
Wie lange gilt ein Energiepass?

Vorgesehen ist eine Gültigkeitsdauer von 10 Jahren. Es ist aber niemand gehindert zwischenzeitlich einen neuen Pass erstellen zu lassen. Das hat allerdings nur dann Sinn, wenn durch zwischenzeitliche Modernisierungen Verbesserungen der Kennwerte zu erwarten sind.
 
   
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