Wohnungseigentum - Eine Reise in's Glück ?
 
 
 
Klar - weiß doch jeder was eine Eigentumswohnung ist! Das ist ein Haus im Haus. Und damit kann der Eigentümer machen was er will. Mit dieser Gewissheit wird häufig der Traum von den eigenen vier Wänden verwirklicht. Doch zu einer Eigentumswohnung gehört noch etwas mehr...
 
Darum stellen wir uns einmal vor, eine Eigentümergemeinschaft wäre eine Busreisegesellschaft. Die Wohnanlage mit dem Gebäude entspricht dem Bus. Der Bus ist komfortabel ausgestattet mit Panoramascheiben, Klimaanlage, Minibar und WC. Die Miteigentümer sind die Reisegruppe. Jeder Mitreisende hat viel Geld für seinen persönlichen Sitzplatz aufgewandt. Der gehört ihm ganz allein. Den kann ihm niemand streitig machen. Und so verschieden wie die Geschmäcker, sind auch die Sitze völlig unterschiedlich gestaltet. Der eine bevorzugt weichen Plüsch und der andere schätzt anschmiegsames Leder. Der Bus als solcher gehört allen gemeinsam. Am Steuer sitzt der Verwalter als Fahrer. Und der will auf einmal wissen, wo's denn hingehen soll.
 
Oh je! So viele Teilnehmer - so viele Meinungen! Der Fahrer ist verwirrt. "So geht das nicht!" meint er, "Laut der Gemeinschaftsordnung - äh, den Reisebestimmungen entscheiden die Mitreisenden mehrheitlich über ihre Angelegenheiten."
- Die Wünsche und Argumente prallen aufeinander. Spätestens jetzt wird jedem klar, dass für individuelle Reisegestaltung nur wenig Raum bleibt. Endlich wird eine Lösung gefunden. Und ab geht die Reise: Der Weg ist das Ziel.
 
Die Reiseteilnehmer richten sich auf ihren Plätzen ein. Einige verbessern ihre Sitzposition mit Hilfe mitgebrachter Kissen. Andere neigen ihre Sitzlehnen nach hinten um völlig entspannt die Fahrt zu genießen. Wieder andere streben zielgerichtet an die Bar um der Reise zusätzliche Freuden abzugewinnen. Besonders Eifrige gesellen sich zum Fahrer. Sie möchten ihm die aus ihrer Sicht erforderlichen Fahranweisungen und Ratschläge geben. Ein Teilnehmer mit ausgeprägtem Mitteilungsbedürfnis ernennt sich selbst zum Reiseleiter.
 
Sanft zieht der Bus seine Bahn. Die malerische Landschaft gleitet an den Panoramafenstern vorbei. Die rote Abendsonne neigt sich zum Horizont. Die Tankanzeige ebenfalls. Jäh reißt der Fahrer die Reisegesellschaft aus den Träumen: "Ich hätte gerne mal von jedem 50 Euro zum Tanken. Der Ölwechsel ist auch fällig. Das linke Vorderrad verliert Luft und muss repariert werden!" Der Fahrer waltet seines Amtes. Pure "Begeisterung" macht sich breit. Ein Sitz mit Folgekosten? Man hätte vielleicht doch einen anderen Fahrer nehmen sollen?!
 
Die Pflege und die Reparatur der Sitze ist Sache der jeweiligen Besitzer. Das ist jedem klar. Aber so ein Bus besteht auch aus einer Reihe anderer Bauteile. Fahrgestell, Motor und Karosserie verlangen nach Wartung und Pflege. Benzin, Steuern und Versicherungen müssen bezahlt werden. Dafür geht der Fahrer regelmäßig mit seinem Hut herum und sammelt. Hoffentlich gibt jeder seinen Beitrag. Wenn nicht, muss der Fahrer schon mal etwas nachhelfen... - Das macht ihn bei dem Betreffenden besonders "beliebt".
 
Apropos Fahrer: In seinen Händen liegt neben der Verantwortung für den hochwertigen Bus auch die Gesundheit und das Leben der Mitreisenden. Und jetzt stellen Sie sich vor, die Verkehrsbehörde verlangt vom Busfahrer noch nicht einmal einen Führerschein. Geschweige denn eine Fahrausbildung. Ungeeignete billige Fahrer sind ein hohes Risiko. Unter diesen Bedingungen ist man gut beraten, sich einem erfahrenen Profi anzuvertrauen. - Und gut sammeln können, sollte er auch.
 
Denn bei Zahlungsausfall gilt:
 
Alle für einen und einer für alle!
 
So ist das nun mal bei Wohnungseigentum. Doch wie heißt es tröstend im Volksmund: Besser schlecht gefahren als gut gelaufen.
 
© 2002 Rainer Thumm, Siegen (Busfahrer - äh, Verwalter)