Winterzeit – Pilzzeit?
 
        
Kennen Sie das ?
– schwarz-braune Verfärbungen oft in den Außenwandecken des Schlafzimmers, des Kinderzimmers oder des Bads? – Wenn nicht, lesen Sie nicht weiter. Sie sind ein Glückspilz!

  

 
Für die, die das Phänomen kennen und darunter leiden, geht es hier weiter:
 
Was Sie sehen, ist meistens Schimmelpilz. Er breitet sich vorzugsweise im Winter in Schlafräumen und Bädern aus. Es beginnt mit kleinen dreieckigen Verfärbungen oben und unten in den Außenwandecken. Zum Wachsen braucht er Feuchtigkeit. „Aha,“ sagen Sie vielleicht, „da ist wahrscheinlich die Wand undicht.“ - Denkste! Die Feuchtigkeit kommt vom Bewohner selbst, z. B. beim Schlafen, Kochen, Duschen oder Blumengießen. Die Bauphysiker nennen das Dampfdruck. Und der schlüpft durch alle Ritzen. Am Liebsten durch geöffnete Türen in wenig oder unbeheizte Räume, wie z. B. Schlafzimmer.
 
Und das kommt so: Jeder von uns kennt das: Wenn man eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank auf den Tisch stellt, wird die Flasche nach kurzer Zeit von außen total nass. Niemand von uns käme auf die Idee, die Flasche wäre undicht. Jeder weiß, dass hier Luftfeuchtigkeit an der kalten Flasche auskondensiert.
Und an der Wand ist das genau so.
 
„Das war doch früher nicht.“ Werden einige sagen. Stimmt! – Früher war alles anders. Da waren die Fenster auch noch nicht so dicht wie heute. Da konnte sich die feuchte Luft noch an den Fensterflügeln vorbei nach draußen mogeln. Das geht bei modernen Fenstern nicht mehr. Es kommt was kommen muss: Die kleinen unsichtbaren Wassertröpfchen in der Luft schubsen und drängeln sich an dem neuerdings warmen Isolierglas vorbei und stoßen sich nun ihre Köpfe an den kalten Außenwandecken. Wärmebrücken nennt die der Fachmann. Und davon gibt es mehrere Sorten. Frierend und weinend lösen sie sich hier auf. Die Tränen kullern und saugen sich in die Tapete und den Innenputz. Dort lauern - wie übrigens in der ganzen Wohnung -Schimmelpilzsporen auf die erlösende Feuchtigkeit. Dankbar für jeden Tropfen Wasser belohnen sie die freundliche Gabe mit ungehemmtem Wachstum zunächst in sanftem, später dann in sattem profischwarz.
 
Und der Bewohner? Der merkt von alldem zunächst einmal nichts. Erst wenn die Pilzkultur so langsam hinter dem Schlafzimmerschrank hervor kriecht, ist Holland in Not.
 
„Hilfe, die Wand ist undicht!“ schallt es dem Vermieter oder Verwalter entgegen. „Am Heizen und Lüften kann es keinesfalls liegen, wir sind saubere Menschen!“ – Natürlich. Mit mangelnder Sauberkeit hat das wirklich nichts zu tun. Aber mit der Wechselwirkung von Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit. Kalte Luft kann nicht so viel Wasser binden wie warme Luft. Hierin liegt die Ursache. Immer wenn die Luft abkühlt und dabei das Wasser nicht mehr halten kann – die Bauphysiker nennen das Taupunktunterschreitung – regnet es ein wenig im Zimmer.
 
Um Schimmelpilz zu vermeiden gilt: Entweder die Temperatur der Luft und vor allen Dingen aller Außenwände deutlich erhöhen oder die Luft trockener machen.
Eine wärmere Außenwand geht nur über eine zusätzliche dickere äußere Wärmedämmung. Dies scheitert jedoch oft an nicht dämmbaren Außenbauteilen, z. B. Balkonen, Sichtbetonfassadenteilen, zu geringen Dachüberständen und nicht zuletzt an den Kosten.
 
Wesentlich wirtschaftlicher ist es vor allem gleichmäßig zu heizen. Nur so können auch die Außenwände entsprechend warm werden. Gleichzeitig kann die Luftfeuchtigkeit durch täglich mehrmaliges Querlüften aller Räume gesenkt werden. Das funktioniert sogar, wenn es draußen kalt ist und es regnet. Und Heizungskosten werden auch gespart. Denn trockene Luft braucht zum Erwärmen weniger Energieaufwand.
 
Möbel sollten zu Außenwänden einigen Abstand einhalten, damit dahinter warme Raumluft zirkulieren kann.
Und etwas für Blumenfreunde:
All das Wasser, was Sie in die Blumen gießen, schütten Sie in Ihre Wohnung.
Auch wenn die Wände wieder trocken und das Raumklima wieder in Ordnung ist, bleiben die schwarzen Flecken. Die kann man mit speziellen Mitteln aber auch mit Essigwasser beseitigen. Das sollte man auch tun. Von den hier in Europa vorkommenden Schimmelpilzarten an Wänden ist zwar so gut wie keine giftig. Dennoch können sie bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen auslösen.